Wenn Musik politisch missbraucht wird!


Sie können es nicht lassen! Immer wieder versuchen österreichische Journalisten entweder eine künstlich herbeigeredete Schlacht zwischen Künstlern zu inszenieren (vor kurzem Ötzi vs. Gabalier), oder, und das empfinde ich noch erbärmlicher, unsere einheimische Volksmusik für ihre Gesinnung politisch zu missbrauchen.
Bei Letzterm wird ein Keil zwischen den Musikern, bishin zu deren Fans geschlagen – auf der einen Seite die guten, intellektuellen Weltverbesserer, auf der anderen Seite wird ein Bild gezeichnet von dumpfen, vollgedröhnten und nur Holladrio-süchtigen Bierzeltjunkies, die den politisch inkorrekten Stammtisch repräsentieren.

Jüngster Anlass, wo dieses Schauspiel wieder uraufgeführt wurde, ist die Berichterstattung über Hubert von Goiserns Live-Auftritt in der Wiener Stadthalle – ein paar Beispiele:

Man ist ihm richtig dankbar: Er gabaliert nicht. Soll heißen: Statt sich mit lasziv rotierenden Hüften in der Krachledernen als erotisierender Älpler zu gerieren, werden bei Hubert von Goisern noch höhere Regionen wie das Resthirn angesprochen. (KURIER von 26.10)
Auf deutsch – wenns gabaliert rutscht das Hirn bei den Maderln und Buam unter der Gürtellinie?

Das „Hirn“ fehlt auch nicht in der Kritik der Krone Zeitung:

So sind „Weit, weit weg“ und „Heast as nit“ auch anno 2012 noch hervorragende Slow- Tempo- Hymnen, die der oftmals platten Hitparaden- Konkurrenz mit viel Herz und noch mehr Hirn die Show stehlen.

Und weiters meint Herr Fröwein von der Krone:

Von Goisern ist Systemkritiker, eckt gerne an und verabscheut nichts mehr als Engstirnigkeit. Das bezeugen die „Free Tibet“- Shirts am Merchandise- Stand genauso wie so manch eindeutige Botschaft über Politik und Gesellschaft.

Zwischen Hiatamadln, Jodlern und Jauchzern stecken sensible und durchdachte Botschaften, die wie eine Komödie mit ernster Message wirken. Und für das Bierzelt gibt’s ja immer noch Andreas Gabalier.

Einige durchdachte Botschaften erfährt man u.a. in der Kleinen Zeitung….

Auch auf die aktuelle Situation in Kärnten nahm er Bezug, als er meinte: „Ihr Kärntner seid´s alle zu wohlerzogen, deswegen lasst ihr euch so viel gefallen.“

….oder in der Presse:

Ein Hochgenuss war auch „Indianer“, wo Westerngitarren-Twangs und Ska-Beats ideal veschmolzen. „Kein Volksstamm bringt nur edle Menschen heraus, nicht einmal wir in Goisern“, scherzte er, wohl in Anspielung auf einen gewissen populistischen Politiker.

Andreas Texte seiner ersten drei Alben beziehen sich auf die Region seiner Heimat, seinen Bergen, der Liebe, den feschen Trachten, Freundschaft,… er kommentiert nicht all die Welt-Krisen, die wir so oder so bei den täglichen Nachrichtsendungen serviert bekommen, oder bezieht nicht öffentlich Stellung zum Hick Hack der heimischen Tagespolitik. Deshalb fühlen sich bestimmte Journalisten leider immer wieder dazu berufen, Andreas Gabaliers Musik, Botschaften und die Begeisterung seiner Fans zu degradieren. Einfach erbärmlich, denn selbst ein Hubert von Goisern meinte erst vor zwei Tagen im deutschen Donaukurier:

Grundsätzlich finde ich die Politisierung von Musik nicht gut, weil Musik viel größer ist als Politik.

In der Radiosendung „Linzer Torte“ sprach Andreas Gabalier am Nationalfeiertag folgendes:

„Vielleicht hat die Finanzkrise, die ziemlich zeitgleich mit meiner Musik gekommen ist, die Leut wieder ein bisserl zum Nachdenken gebracht. Viele haben sich auch gar keinen Urlaub mehr leisten können, dort und da großartig wohin zu fliegen, und haben dann für sich die schönen Seiten von daheim wieder neu entdeckt!

Es wird immer gern in den Dreck zogen, wenn man das Wort „Heimat“ in den Mund nimmt, da wehr i mi sehr vehement dagegen, weil es is einfach ein Stückerl von uns, es is a Stückerl Kulturgut, ein Stückerl was uns Österreicher und Österreicherinnen auch ausmacht, diese Volksweisen, die Traditionen, die Trachten. Ich glaub, wir akzeptieren so viel Neues auch, wir integrieren so viel Neues, das is auch gut so, die Zeit bleibt ja nicht stehn und entwickelt sich weiter und i find, man muss sich dann auch nicht schämen, wenn ma ein paar so traditionelle Werte aufrecht erhaltet im Land“.

Leider haben auch viele Journalisten in unserem Land irgendwie ein (politisches) Problem mit Begriffen wie Heimat und Tradition!

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Kategorien: Pressemeldungen | Schlagwörter: , , , , , , | 5 Kommentare

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5 Gedanken zu „Wenn Musik politisch missbraucht wird!

  1. Gertraud Bauer

    …dazu kann ich nur von mir aus sagen:
    der Goisern deprimiert mich!!! (jetzt nicht nur vom aussehen her, dafür kann er ja nix),

    der Gabalier baut mich auf !!!
    jetzt denk ich mir was ist von beiden das gscheitere? 🙂

    wie singt da Andreas da so schön: Und wem’s net recht is, der soll Trübsal blasen, und soll sich bei dem Herrn da ob’n beschwern!“
    .
    ..(oder in den keller lachn gehn)

    • Regina Hahn

      Dem Kommentar von Gertraud Bauer ist nichts mehr hinzuzufügen!

    • Monika Sivetz

      Das schöne Wienerlied :“ I hab die scheanen Madln net erfunden “ hatte textlich glatt von Andreas sein können . Es hat es beim Wienkonzert wohl als kleine Ehrerbietung an diese wunderschöne Stadt gesungen . Wienerlieder kommen auch aus dem „Volk“ , das hat eben das Herz am rechten Fleck .

  2. Theresa Zoitl

    Andreas hat nie den Anspruch erhoben die Welt verbessern zu wollen. Er wollte auch nie politische Botschaften vermitteln. Er hat immer nur gesagt, dass seine Lieder das Leben schreibt, dass es kleine Geschichten aus seinem eigenen Leben sind – und, da tausende andere Menschen auch tagtäglich ihr Leben bewältigen müssen, mit allen Höhen und Tiefen, haben sie sich in seinen Liedern wiedergefunden.

    Das kann ein Schreiberling nicht erfassen, der nur „I sing a Liad für di“ und vielleicht noch „Sweet little Rehlein“ oder einige andere Partysongs kennt – wie sollte er auch!?!

    Er müsste sich die Mühe nehmen, sich hinzusetzen und mit dem Textbuch in der Hand alle 36 Lieder anzuhören, dann würde er merken, dass Andreas Lieder für fast alle Lebenslagen geschrieben hat, dann würde er die genialen Wortspiele erkennen, die oft in ganz einfache Texte mit hinein verpackt sind, oder vielleicht auch nicht!?!
    Die „einfachen“ Leute haben da oft ein viel feineres Gespür als die, die glauben wahnsinnig intelligent zu sein … und die wirklich Großen spüren es auch eher, weil die sehr oft wieder zu ganz einfachen Menschen werden und es nicht nötig haben andere zu degradieren!

    Aber wie sagt Andreas immer, Musik ist so vielfältig und für jeden ist genug Platz! … und allein seine Musik ist sehr sehr vielfältig, in vielen Passagen richtig großartig … aber sie muss nicht jedem gefallen … und ja, er hat auch Lieder für’s Bierzelt geschrieben, die Betonung liegt auf „auch“ … aber, wer nur diese paar kennt, sollte es vielleicht unterlassen lästerliche Dinge darüber zu schreiben, das wäre klüger!

  3. Graller Astrid

    gut gesprochen Theresa Zoitl, danke für die ausführliche Beschreibung, das sollten sich einige zu Herzen nehmen , die ihn nur dazu brauchen, bzw. missbrauchen um selbst ihr eigenes Image aufzupolieren.

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