Gabalier: „Na klar würde ich auf meiner eigenen Hochzeit Tracht tragen!“


„Hut ab“ für diesen Artikel inklusive Exklusiv-Interview mit Andreas Gabalier!
Die deutsche Online-Plattform „Schlagerarchiv.de“ führte ein Gespräch mit unserem steirischen Exportschlager, abseits der abgedroschenen 08/15-Fragen – und Andreas antwortet ehrlich und ausführlich:

P1020257Wir sprachen mit  Andreas Gabalier nicht wie mit „unseren“ Künstlern sonst, in den letzten Monaten üblich am Telefon, sondern konnten uns live und in Farbe persönlich mit ihm in einem schicken Kölner Hotel zum Interview treffen.
Vor uns saß ein sehr netter, bestens gelaunter, lässig in T-Shirt und Jogginghose angezogener junger Mann, der trotz schon  vieler Interviews an diesem Tag noch immer in Plauder Laune war.
In unserem Gespräch, hatten wir von Anfang an das Gefühl, einen sehr geerdeten und sehr bodenständigen Künstler vor uns zu haben, dem das Heimatgefühl und Traditionen über alles geh´ n und der dem „Star-sein“  eigentlich nichts abgewinnen kann und glücklich ist, sein jetziges Künstlerleben einfach irgendwie so weiterleben kann.

Interview – Andreas Gabalier – 12. Juni 2013

DSA: Und wie war das Gefühl für Sie, in einem Tonstudio zu stehen, wo schon so große Stars ihre Aufnahmen gemacht haben?
Andreas Gabalier: Super! Vor allem wenn man dort die ganzen Bilder von Johnny Cash, Dolly Parton und Elvis im Tonstudio hängen sieht. Große Momente für einen kleinen Künstler. Es war eine tolle Erfahrung.

DSA: Und wie haben die amerikanischen Kollegen auf Sie reagiert?
Andreas Gabalier: Die Studiomusiker haben begeistert reagiert und waren durchaus überrascht, denn sie haben auch nicht gewusst, was sie erwartet. Und vielleicht sieht man sich wieder. Schau´n wir mal.

DSA: Ein Titel war sogar eine österreichisch-amerikanische Co-Produktion. Wie kam es dazu?
Andreas Gabalier:  Wir haben die ersten vier Nummern produziert drüben und hatten noch ein bissel Zeit. Die Studiomusiker haben gemeint, wir schreiben auch für viele Leute Texte und Lieder – komm lass uns zusammensetzen, wir haben noch vier Stunden Zeit, wir machen noch ein Lied. Aha. Ja und „You´re just bein´you“ ist das Ergebnis.

DSA: Ich höre in meinen vielen Gesprächen oft von Künstlern, dass sie sich nach großen Konzerten in ihren Hotelzimmern sehr einsam fühlen, fast „in ein Loch fallen“. Wie schwer fällt Ihnen das Alleinsein nach umjubelten Konzerten?
Andreas Gabalier: Nein ich bin nicht einsam. Mir geht´s gut, ich falle in kein „schwarzes Loch“ hinein.

DSA: Und was macht man(n) nach so einem Konzert?
Andreas Gabalier: Wir stoßen mit der Band meistens noch kurz an. Ich esse noch richtig, denn ich bin so richtig hungrig nach so einem Auftritt. Und freue mich dann auf die Badewanne, die ich mir einlasse. Und oft sehnt man sich sogar nach ein bissel Einsamkeit und Ruhe, wenn man den ganzen Tag so viele Leute um sich herum hat.

DSA: Ein Titel auf Ihrer CD heißt: „Für mich bist du schön“. Was macht für Sie eine Frau schön?
Andreas Gabalier: Verstand, ich muss mich unterhalten können mit ihr. Der Alltag darf nicht langweilig werden. Ja, man sollte sich geistig schon auf einer halbwegs ähnlichen Ebene begeben. Gepflegt muss sie sein, ein strahlendes Lächeln muss sie haben. Ich habe aber keine Vorstellungen von 90-60-90. Es muss einfach passen, aber anschauen muss man sich schon ganz gerne können.

DSA: Ihr erster Titel auf dem Album: „Traditional Clothing“ handelt von der Wichtigkeit heimatlicher Traditionen. Wie wichtig sind Ihnen Traditionen, und das an dieser Stelle nicht nur auf die Tracht und das Dirndl bezogen.
Andreas Gablier: Sehr wichtig. Ich glaube, es ist auch ganz egal, wo in welchem Land und auf welchem Kontinent – es ist einfach Kulturgut, das aufrecht erhalten bleiben sollte. Es wissen heute schon die wenigstens, warum so viele Tage schulfrei sind, arbeitsfrei sind – was die vielen Feiertage für einen Grund haben. Ich selbst habe in Religion maturiert, ich hab´ das der Geschichte und Geographie vorgezogen, weil es mich sehr interessiert hat. Ich finde es sehr wichtig, dass so alte Traditionen nicht ganz in Vergessenheit geraten, auch wenn man so viele neue Kulturen integriert, so dass man schon bald der Meinung ist, dass man seine eigene Kultur nicht ausleben darf.
Im Audiointerview spricht Andreas mit Klartext weiter :
….so dass man schon bald der Meinung ist, dass man seine eigene Kultur nicht ausleben darf, weil man damit andere Religionen wieder verletzt, unterdrückt oder wie auch immer – was es da oft schon alles in den Medien zu lesen gibt.
Da sollte man einmal nachdenken und sich selbst bei der Nase nehmen, damit es nicht soweit kommt, wie z.B. in den Städten schon üblich (Nikoloverbot in Kindergärten, Kreuzabnahmen in Schulen etc.)

DSA: Und ich denke, Sie sind sehr stolz, dass gerade zu Ihren Konzerten, tatsächlich die Jungs und Mädels jetzt in Tracht und Dirndl kommen.


Andreas Gabalier: Sehr! Das ist bei uns ein ganz neuer Aufschwung wieder. Und es ist die einzige Branche, die trotz Finanzkrise nur positive Zuwächse bekommen hat, die letzten  zwei, drei Jahre. Schön ist es zu sehen, weil es auch schick ist, weil jeder im Dirndl flott und fesch ist, was hermacht – egal ob groß, dick, klein oder dünn. Mir gefällt es einfach sehr. Ich bin damit großgeworden und habe Tracht angehabt´ also bei Feiertagen, runden Geburtstagen, Taufen und überall dort wo es noch gepasst hat. Ich glaube, das ist bei fast jedem Österreicher so.

DSA: Würden Sie auch auf Ihrer eigenen Hochzeit Tracht tragen?
Andreas Gabalier: Ja, klar! Sowieso, nur!  Es käm´ mir ja gar nicht in den Sinn, dass ich da mit schwarzem Anzug auftrete.

DSA: Sie nennen Ihr Album „Home, sweet home“ – wie wichtig ist Ihnen Heimat?
Andreas Gabalier: Sehr. Ja, wie gesagt, Heimat ist für mich die Traditionen, die Wurzeln, die Kultur, die Kulinarik (das Essen geht mir immer a´ bissel ab auf meinen Reisen). Das überall gute Bodenständige, die Landschaft, das gute Wasser – ja, das alles ist für mich Heimat.

Andreas Gabalier-Home Sweet Home-Nashville-04.jpgDSA: Ich habe Ihrer Biografie zum Album entnommen, dass dieses Album am stärksten das neue Leben von Ihnen dokumentiert. Wie anders ist Ihr Leben heute, als vor ca. vier Jahren?
Andreas Gabalier: Na ja, vieles hat sich irgendwie geändert, das ganze Leben hat sich gedreht. Von der ursprünglichen ersten Job-Idee (Jura Studium), immer daheim, auf einmal ganz was anderes, neue Welten, eine ganz andere Branche, viele eigenartige Menschen, aber auch viele interessante Menschen. Viele liebe Leute habe ich kennengelernt, ein paar nette Freundschaften und Kollegschaften, die sich daraus ergeben haben. Man reist sehr viel, man sieht sehr viel. Es bleibt natürlich weniger Zeit für die Freunde, für die Familie. Ja, man muss lernen damit umzugehen. Aber ich glaube, ich bin ganz gut eingebettet in diesen neuen Alltag, der eigentlich nicht wirklich Alltag ist. Ich denke, es wird nicht ewig so gehen, dafür wird das Heimweh über die Jahre zu stark werden. Aber zurzeit genieße ich es sehr.

DSA: Vor einigen Wochen gab es eine kurze aber kräftige Welle an negativer Presse um Sie herum. Ihnen wurde vorgeworfen, Sie hätten für das Donauinselfest eine zu hohe Gage gefordert und wurden von einer Pressedame sogar öffentlich als „Gier-Balier“ betitelt.

Andreas Gabalier: Das war böse, da habe ich mich auch zum ersten Mal geäußert. Wir haben eigentlich schon letztes Jahr ein Konzert auf der Hauptbühne ausgemacht, zwei  Stunden mit der Band und keinen 30 Minuten Auftritt auf der Schlagerbühne. Die war vor zwei Jahren schon zu klein und deswegen hatten wir gesagt, dass wir dieses Jahr auf der Hauptbühne auftreten. So war´s besprochen worden. Jetzt hat es nicht so sein sollen und von der Gagenforderung war überhaupt nie die Rede. Es ist ein großes internationales Festival, wo man eh weiß, dass man da eher für die Unkosten spielt.

Ja, das habe ich sehr traurig gefunden, da es überhaupt kein Interview mit mir gegeben hat. Aber mit sowas muss man als Mensch der Öffentlichkeit um gehen lernen.

DSA: Wehren Sie sich denn gegen diese Art von Presse?
Andreas Gabalier: Ich hab´ einfach meine Version auf Facebook und auf die Homepage gestellt, für die Fans die es doch in großen Massen aufgeregt hat. Ich glaub´ da muss man durch. Es passiert so viel Positives, dass man sich jetzt nicht auf einen blöden Zeitungsartikel aufhängen sollte.

DSA: Auf Ihrem Album finden sich ganz verschiedene Stilrichtungen von Rock´n Roll, Blues bis hin zu Country. Was hört Andreas Gabalier privat am liebsten?
Andreas Gabalier: Ja, genau das. Das ist einfach so die bunte Mischung, die ich auch von Anfang an in meine Lieder einfließen lasse. Von Rock, Blues, Pop, Jazz, ich liebe Musical-Soundtracks und habe jetzt gerade wieder einiges an Klassik auf mein Handy geladen, auch das bringt mich oft wieder runter zum Entspannen. Wenn ich im Taxi sitz´ und bei Euch durch die große Städte fahre und wieder im Stau stehe, dann mache ich die Augen zu und lege mir oft ein paar Klaviernummern ein. Das ist unglaublich entspannend.

DSA: Haben Sie jetzt eigentlich auf Ihrer Promo-Tour quer durch Deutschland, etwas von dem Hochwasser mitbekommen?

Andreas Gabalier: Im Süden ja. Aber auch uns Österreicher hat es stark getroffen. Es ist wirklich traurig, wenn man die Bilder so sieht. Es ist ein Wahnsinn, wenn man die Häuser sieht, die teils bis zum 2. Stock unter Wasser stehen.

DSA: Würden Sie als Künstler helfen wollen?

Andreas Gabalier: Ja, wir werden Anfang Juli was machen und die Infos dazu werden bald heraus gegeben. Es ist sicher nur ein Tropfen auf den heißen Stein, aber zumindest ein kleiner Beitrag.

DSA: Eine abschließende Frage: Was ist für die kommenden Monate geplant und was wünschen Sie sich musikalisch und persönlich für die Zukunft?
Andreas Gabalier: Ich wünsche mir, dass die Leute mit meiner vierten CD auch wieder große Freude haben. Das diese erste große Tournee unvergesslich und voll wird im Herbst – der Vorverkauf läuft schon wirklich toll. Und für mich selber, dass ich weiter so entspannt, dieses Künstlerdasein, dieses neue Leben irgendwie so leben kann. Ich sehe mich nicht selber so als Star, trotze diesem Erfolg oft und gehe noch genauso bei uns durch die „Beisel“ (Kneipen) mit meinen alten Kollegen und Brüdern ein Bier trinken, auch wenn die Leute schau´ n und ich fotografiert werde.

DSA: Ich bedanke mich ganz herzlich bei Ihnen für das sehr nette und ausführliche Gespräch und wünsche Ihnen persönlich alles Gute und natürlich viel, viel Erfolg weiterhin.

Das vollständige Interview, inkl. Audiodatei zum Anhören, findet Ihr hier: http://www.schlagerarchiv.de/interview-andreas-gabalier-12-juni-2013/?fb_source=pubv1

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