Andreas Gabalier: „Ich bin auch ein großer Träumer!“


„Ich bin blind, aber sehen ist oft eine Frage der inneren Beleuchtung“ – Jennifer Sonntag

Als wir gestern die Ankündigung vermeldeten, das Andreas Gabalier nach 2012 wieder am kommenden Sonntag bei der TV-Sendung MDR-Sonntagsfragen zu Gast ist, suchten wir im Netz verzweifelt nach diesem Interview. Vergebens, da ältere Sendungen in TV-theken nach einer Zeit gelöscht werden.
Aber unsere gute Seele in Wien machte sich damals die Mühe und schrieb dieses Gespräch für Andreas Oma mit, die dieses außergewöhnliche Interview mit einer blinden Frau versäumte.

Da blinde Menschen natürlich die Welt anders wahrnehmen als wir Sehende, fielen die Fragen von Jennifer Sonntag an Andreas auch anders aus, als viele üblichen Interviews in dieser Zeit, die oft nur auf Arschwackler- und kreischende Mädchen-Themen beschränkt waren. 
Als Rückblick und Einstimmung für das kommende Interview am Sonntag, veröffentlichen wir in Text-Form das Gespräch vom November 2012:

AndreasGaballier

Jennifer: Andreas Gabalier ganz herzlich willkommen, schön dass du da bist!
Andreas: Danke für die Einladung!

Jennifer: Ich freu mich sehr, auch aus ganz persönlichen Gründen und hab mal so eine Frage die deine Persönlichkeit betrifft. Ich sehe dich nicht, aber du hast eine sehr charismatische Stimme, nicht nur Gesangsstimme, sondern auch Sprechstimme, mich würde aber interessieren, wie du dich selbst beschreibst. Du bist ja, ganz untypisch auch in der Szene in der du dich bewegst. Was macht dich besonders?
Andreas: Hui, ich bin ein sehr bodenständiger, naturbewusster, traditioneller junger Mann. Hab Jura studiert in Graz, sehr gesellig … wie beschreibt man mich? Ich glaub, das sind so meine Charaktere, sehr freundlich, sehr hilfsbereit, ich stehe sehr auf Musik, also das begleitet mich schon mein ganzes Leben, die letzten drei Jahre jetzt beruflich, ziehn wir so durch Fernseh-Shows, durch große Live-Konzerte und und und … ja …!

Jennifer: Denkst du dein Publikum ist auch besonders? Treffen da Leute aufeinander, die sich so normalerweise nicht begegnet wären?
Andreas: Absolut! Ganz bestimmt sogar, weil man ja immer sagt, es gibt für alles so sein Genre, sein Metier, wo sich gewisse Publikumsschichten treffen. Wenn ich an das Abschlusskonzert der diesjährigen Tournee denke in der Stadthalle in Wien, da sieht man auf der DVD, die wir aufgezeichnet haben, die kleinsten Kinder, Teenager, wo man es vielleicht am wenigsten annimmt mit grün gefärbten Haaren, Tattoos, Biker, ganz wilde mit langen Haaren und bis hinauf zu den Senioren alles vertreten und da treffen sich sicherlich Leute, die sich vielleicht so auf anderen Events wahrscheinlich nicht begegnet wären.

Jennifer: Du bist ein authentischer Mensch, das macht manchmal aber auch angreifbar, gibt es Mechanismen oder irgendwelche Wirkmuster, mit denen du dich schützst? Man ist ja als authentischer Mensch immer ohne Schutzschild unterwegs.
Andreas: Ich bin ganz bestimmt sogar auch sensibel, ich glaub das merkt man auch in so manchen Liedern, bin aber momentan auf sehr positivem Weg unterwegs, freu mich da über sehr viel Zuspruch, dass man sich momentan nicht nach Rückzug oder einem Schutzschild sehnt. Ja, viele Termine, viel viel Neues, ganz ein aufregender neuer Lebensabschnitt, durch den ich da momentan wandere. Also an die negativen Seiten, oder dass es mir jetzt schon zu viel wäre, denk ich momentan noch nicht.

Jennifer: Wenn du in deinen Songs Dinge besingst, die mit unser aller Leben zu tun haben, Liebe, Lust, Leidenschaft, Herzschmerz, denkst du, man muss alles auch erlebt haben, was man interpretiert, das ist eine Frage, die sich auch Autoren oft stellen lassen müssen. Hast du das erlebt, was du da schreibst? Oder glaubst du, man muss es einfach nur vermitteln können?
1656223_460783727380429_1445472821_nAndreas: Vielleicht von jedem ein bisserl was. In meinem Fall ist es sicherlich so, dass meine Lieder mein junges Leben geschrieben hat. Ich schreib nach wie vor meine Songs, auch die neuen, an denen wir bereits wieder arbeiten im Studio, selbst, dadurch ist es authentisch. Ich glaub schon man kann bis zu einem gewissen Grad da auch Lieder von Textern, Komponisten, nachsingen oder für sich interpretieren und auch solche haben viel Erfolg, das soll jetzt überhaupt nicht negativ klingen, aber ich glaub, wenn man was selber macht und auch aus Überzeugung und da jetzt nicht eine Marionette für die Bühne spielt, dann ist das für die Leute noch ein bisserl authentischer vielleicht. Und das ist vielleicht auch der Preis, warum’s da jetzt auch in Deutschland so toll zu laufen beginnt, weil ich mir auch immer denk, den Dialekt verstehen ja wahrscheinlich gar nicht alle im ganzen Land. Wenn wir im hohen Norden oben spielen, dann frag ich mich schon immer, ob man dann auch verstanden wird, aber ich glaub, dass es bei der Musik gar nicht immer darum geht. Das ist Emotion, die da vermittelt wird und das trifft die Leute, oder nicht!

Jennifer: Das hat ja auch irgendwie so Appeal, so dieser Dialekt – also ich hab versucht mir so Texte durchzulesen, die ja auch in diesem Dialekt verschriftlicht werden und so, man muss sich natürlich schon auch reinfühlen – aber genau diesen Flow, denn die Leute dann auch haben. Was glaubst du warum, was macht das mit den Leuten? Ist das eine gewisse Art von Naturverbundenheit oder mehr eine gewisse Art von Geist, dem man da näher sein will. Was glaubst du, warum wirkt das auf die Menschen?
Andreas: Ich glaub, dass das einfach was Ureinfaches ist, was sehr Ursprüngliches, das Verlangen nach daheim irgendwo so, die vertraute Umgebung, diese traditionellen Werte wie Freundschaft, Liebe und und und …! Ich glaub das geht immer! Das ist einfach das Leben und ich glaub auch, dass da die Finanzkrise vor zwei, drei Jahren, wie ich begonnen hab, sicherlich auch sich angeboten hat, das war zur richtigen Zeit auch am richtigen Ort. Die Leute haben wieder ein bisserl umdenken gelernt, sind wieder zu den einfacheren Werten zurückgekehrt, vielleicht Urlaub nicht ganz so weit weg, sondern die schönen Seiten von daheim wieder für sich neu entdeckt, wieder entdeckt und da hat die Musik vielleicht gerade richtig auch beigetragen dazu.

Jennifer: Du hast gesagt, du bist sehr naturverbunden, ein sehr erdiger Mensch. Auf welche Weise beeinflusst die Natur Deine Kreativität, konkret?
Andreas: Sehr! Meine Großeltern sind vom Land, wir sind in der Stadt in Graz groß geworden. Die ganze Kindheit, aber auch die Ferienzeit, die ist immer am Land verbracht worden, in den Bergen, am Bauernhof. Da hat man noch so ein bisserl das alte Leben mitbekommen, wo die Stadt vielleicht schon ein bisserl weiter war. Da haben wir Traktor fahren gelernt in der Grundschule, wir waren bei den Tieren im Stall, auf der Alm mit den Gästekindern und so. Das war schon ganz a tolle Zeit und ich versuch das auch nach wie vor, gerade in der jetzigen Zeit, wo so viel schon über verschiedene Plattformen kommuniziert wird wie Facebook & Co. oder alles nur über die Telefone lauft und über’s Internet, da bemüh ich mich schon immer wieder, mich mit den alten Freunden zusammen zu setzen und nicht nur zu skypen und zu e-mailen und auch für mich selber hie und da einmal alleine in die Berge zu wandern mit meinem Rucksack und meinem Bergschuh und lass mich dort eigentlich sehr stark inspirieren für neue Lieder.

Jennifer: Was ist es, was Dich da so packt?
Andreas: Das ist oft diese Stille, diese Einsamkeit. Ich liebe es zum Beispiel auch von Graz nach Friedrichshafen, nach Bregenz, nach München zu fliegen, bei Schönwetter sieht man da über die gesamte österreichische Alpenlandschaft drüber hinweg und sieht, wie viel unbebaute Flächen wir eigentlich haben, wie viel Berge, wie viel Natur, wie viel Ruhe da eigentlich im Land noch herrscht und das ist es, was mich auch immer wieder inspiriert. Wenn man da hinaufwandert auch zwei- dreitausend Meter, dann sieht man wirklich nur von einem Gipfel nach dem anderen, viele viele Tiere, diese Geräuschkulisse unterschiedlichster Dinge in der Natur. Man blickt dann hinunter auf diesen Stress, der da unten im Tal irgendwo stattfindet in den Städten und denkt sich, da oben kann einem irgendwie so gerade gar nichts passieren, nichts aus der Ruhe bringen, das ist ein bisserl so den ganzen Stress, den ganzen Alltag unter sich zu lassen oben am Gipfel und drüber hinweg zu schauen, das hat einfach was!

Jennifer: Ist es bei Dir ausschließlich Musik, oder gibt’s Bücher oder Filme die Dich maßgeblich beeinflusst haben neben der Musik?
Andreas: Ah, es gibt viele Filme wie „Forrest Gump“ oder „Walk the line“, das ist so a Film, denn ich immer wieder einmal gerne anschaue, die Geschichte von Johnny Cash … ah viele viele gibt’s da! Da kann man sich so schön hineinträumen, in einem gewissen Grad bin ich sicherlich auch a großer Träumer, der abseits der ganzen Berufswelt, wo’s oft um Stimmung, um Arbeit, um Stress, um alles geht, sich dann sehr gern auch am Abend ins Bett legt im Hotel oder zu Hause und einen Film einlegt, mit den Brüdern gern einmal ins Kino geht im Winter. Ja, doch! Für Bücher muss i ganz ehrlich sagen, hab i momentan den Kopf nicht so ganz frei!

Jennifer: Was empfindest Du in Deinem Leben als größtes Handicap, was steht Dir im Weg oder wann stehst Du Dir im Weg?
Andreas: Wo steh ich mir im Weg? (denkt lange nach!) mmh, momentan eigentlich gar nicht! Das große Glück zurzeit sehr ausgeglichen zu sein, das Hobby irgendwo zum Beruf gemacht und ich glaub, ich geh in dieser Rolle auch total auf. Bin sehr zufrieden momentan, ich strebe auch nach nichts irgendwie zurzeit, keine Wünsche, kein Verlangen nach irgendwas Materiellem derzeit, bin sehr ausgeglichen, sehr zufrieden und momentan zum Glück nicht gehandicapt.

Jennifer: Das ist schön, schön! Das hört man ja gern! Jetzt hab ich noch eine Frage, hoffentlich ist das kein Handicap, also das ist vielleicht eine sinnliche Frage, irgendwie muss man ein bisschen überlegen, wie schmeckt für Dich ein schöner Tag?
Andreas: (lacht) Wie schmeckt ein schöner Tag? … der schmeckt wie eine Grießnockerlsuppe, eine würzige, keine Magersuppe, keine Schlankheitsdiätensuppe, der schmeckt nach Schweinsbraten mit Sauerkraut und Knödel und einem Kaiserschmarrn von der Oma! (lacht)              

Jennifer: hmm, das hört sich ja gut an, deftig, also auf jeden Fall würd ich mich da einladen, also da wäre ich dabei! Jetzt noch die Frage nach dem Lebenscredo. Hast Du ein Credo?
Andreas: Ein Motto, oder? „Walk the line“ ist so ein Lied von Johnny Cash, einer meiner größten Idole, das ich sinngemäß sehr stark verfolge. Ich glaub, dass man irgendwo Ziele haben sollte im Leben, die machbar sind, nicht immer nach was zu streben, was vielleicht unerreichbar ist und davon zu träumen, sondern sich dann gewissermaßen auch zufrieden geben mit dem was schon passiert ist, diesen Weg verfolgen und sich da auch treu bleiben in dieser Rolle.

Jennifer: hmm, sehr schön, ein sehr schönes Schlusswort! Ich danke Dir sehr für das Gespräch! Schön, dass Du da warst! Herzlichen Dank!
Andreas: Dankeschön!

 

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