Ist unser steirisch noch zu retten?


Dinge dürfen hässlich, aber nicht mehr schiach sein. Jugendliche werden von Pickeln, nicht mehr von Wimmerln geplagt und der Schweinebraten hat den Schweinsbraten mittlerweile als eine der Lieblingsspeisen von Herrn und Frau Österreicher abgelöst.

Noch nie hat sich die Sprache in der Alpenrepublik so schnell verändert wie derzeit. Die Gründe sind vielfältig: Kinderbücher, Filme und TV-Serien kommen aus Kostengründen nur in deutschem Deutsch auf den Markt, die Abgeschiedenheit von Alpentälern gehört in Zeiten von Internet, Facebook und Co. der Vergangenheit an – und Österreichisch wird immer öfter als minderwertiger Abklatsch des Deutschen gesehen. Das meint zumindest Rudolf Muhr, Sprachwissenschaftler an der Uni Graz: „Wir müssen aufhören, uns an den Normen anderer Länder zu orientieren, wir schädigen uns nur selbst damit.“ Muhr plädiert für eine „ostösterreichische Koine“, also eine gemeinsame (auch geschriebene) Sprache von Salzburg bis ins Burgenland. Nicht zu vernachlässigen sei dabei auch die Identifikationsfunktion einer Sprache bzw. Sprachfärbung, wie eben Österreichisch.

Diesen interessanten Artikel haben wir in der Kleinen Zeitung gefunden.
Bild3Teilweise müssen wir diesen Wissenschaftler natürlich Recht geben. Immer mehr typisch österreichische Begriffe verschwinden aus unserem Wortschatz – die Mundart passt sich den neuen Medien an, z.B. wird ja nicht mehr gewählt sondern gevotet!

Das aber unsere Mundart bzw. Dialekt nicht gänzlich verschwindet, verdanken wir sicher auch unzähligen beliebten Musikern. In unserer Hitparade dominieren Volks- bzw. Schlagermusiker  (klingt doch besser als Charts 🙂 , und gerade in diesem Musikgenre ist Dialekt beliebter denn je, wenn wir z.B.  zahlreiche Kandidaten der Musikshow „Herz von Österreich“ in Erinnerung rufen.

Auch Superstar Andreas Gabalier ist hierfür ein tolles Vorbild. Die Prophezeiungen, dass er mit seinem Dialekt im Norden Deutschlands keinen Erfolg haben wird, haben sich in Luft aufgelöst. Andreas blieb seinem steirischen Dialekt treu, und tausende deutsche Fans sangen problemlos Steirerland und Bergbauernbuam mit!

Die Kleine Zeitung hat nach den obigen Artikel folgenden Aufruf gestartet: Unser Dialekt in Gefahr? Von wegen – helfen Sie mit, die steirische Mundart hochzuhalten.
Die Reaktionen  kann man auf gut Steirisch zusammenfassen: „Bist du Moped!“ Mehr als 100 Leser haben  in kurzer Zeit vom Vergessen oder Aussterben bedrohte Dialektwörter und Redewendungen eingesendet.

Beispiele: Kukuruz ohrebün (die Maiskörner vom trockenen Maiskolben mit den Händen entfernen) –  den/die Goudl (Tauf- bzw. Firmpatin) – Zwetschken weiterhin brocken, und nicht pflücken . Auch eingesandt: Loss di net ogschia mochen! (Lass dich nicht aufhalten!), an Seia hobn (grantig sein), Paraplü (Regenschirm), Pfoat (Hemd oder Schürze) oder das schöne Wort moab (mürb).

Weitere Beispiele wie von der Rotzpippn bis hin zur Poutigruaba findet ihr hier….

Welcher VolksRocknRoller weiß was „Hom buachane Leit“ bedeuten? Antworten bitte in den Kommentarbereich 🙂

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Kategorien: Hoamatgfühl | Schlagwörter: , | 6 Kommentare

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6 Gedanken zu „Ist unser steirisch noch zu retten?

  1. Hoam buachene Leit san doch erdige urige Leit die ihrer Tradition immer nachgehen!
    So erklärte mir das ein Freund aus Niederösterreich!

  2. Gabi

    Bei uns in Hessen gibt’s auch im Dialekt das Wort „hobuchen“; jedenfalls in Südhessen. Ist allerdings nicht so einfach zu übersetzen. Ich würde sagen, es bedeutet so viel wie: der Tradition treu geblieben, im weitesten Sinne: altmodisch, aber auch kräftig, urig. Manche Wörter hat man im Wortschatz, kann sie aber nicht so einfach übersetzen. Dieses gehört dazu.
    Aber wie gesagt, das gibts auch bei den „alten“ (Süd-)Hessen.

    In diesem Sinne
    sonnige Hessengrüße

  3. Gabi

    Wobei ich noch sagen muss, die Rückläufigkeit des Dialektes ist bei uns genau so. Die Jugendlichen und Kinder sprechen fast alle auch nur Hochdeutsch. Kinder, die Dialekt sprechen, haben es sehr schwer in der Schule. Das ist leider so, auch bei uns.

    Liebe Grüße, Gabi

  4. Silei

    Ich bin zwar keine Steirerin würde aber meinen, es bedeutet soviel wie bodenständige Menschen, die mit der Heimat sehr verwurzelt sind. Die aus gutem Holz geschnitzt sind, auf die einfach verlass ist. Wo ein Handschlag noch was zählt und die sich was auch immer kommen mag, nicht verbiegen lassen und sich nicht drehen und wenden wie sie`s grad brauchen! Einfach geradlinige, ehrliche, wunderbare Menschen, die es heutzutage leider Gottes nur mehr eher spärlich gibt! Daher bin ich um so dankbarer, dass ich doch noch einige davon kennenlernen durfte!

  5. Silei

    Apropos steirisch…

    Ich weiß nicht wirklich wie viel so manche Schreiberlinge in der Oberstube haben – all zuviel kann’s wirklich nicht sein, wie dieser Bericht

    http://www.purestars.de/artikel/-let-s-dance-verbal-attacke-gegen-die-jury_a814/1

    wieder einmal zeigt (weil wenn sie einfach mal was nicht verstehn, dann sollen sie verdammt noch mal nachfragen und nicht gleich wieder Öl ins Feuer schütten eben z.B. zw. Let’s Dance Jury & Willi mit seiner hübschen Tanzpartnerin)

    Erstens einmal wurde nicht Willi sondern Andi interviewt und Zweitens wurde in keinster Weise „Let’s Dance“ angegriffen sondern unser österreichisches „Dancing Stars“ und Andi hat’s echt auf den Punkt gebracht – andere Worte würden es gar nicht besser Treffen, wenn man z.B. von Herrn B. Ekker’s Kommentaren aus der Zeitung erfährt – weil anschauen tu ich’s mir wirklich nicht mehr….

    Um mit den Worten von Andreas zu schließen – in der heutigen Medienlandschaft geistert wirklich so viel SCHAAS herum… 😀

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