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„I hab‘ die schönen Maderln net erfunden“

I hab‘ die schönen Maderln net erfunden,
der guate Wein is auch net mei Patent.
I bin net schuld an den gewissen Stunden,
wo man vor Glück fast aus der Haut fahr’n könnt.

I hab‘ die ersten Geig’n net machen lassen,
i hör’s nur für mein Leben so viel gern.
Und wem’s net recht is, der soll Trübsal blasen,
und soll sich bei dem Herrn da ob’n beschwern!

Wir alle kennen diese Zeilen die Andreas Gabalier extra für sein Wiener Publikum im Mai 2012 zum Besten gab (die einen live, die anderen zumindest vom Live-Album). Es handelt sich hierbei um den Refrain aus einem 74 Jahre alten Wiener Lied mit dem Titel „I hab`die schönen Maderln net erfunden“.

Andreas wollte bei seinem Abschlusskonzert seiner 1. Ö-Tour bewusst dem Wiener Publikum ein musikalisches DANKE bescheren und auch unter Beweis stellen, dass in ihm nicht nur der Bergbauerbua steckt, sondern auch ein Künstler in der Tradition der alten Wiener Heurigenmusik.
Wie Andreas dieses alte Liedgut  entdeckte, entzieht sich unseren Kenntnissen – vielleicht auch aus der Plattensammlung seines Vaters. Fakt ist, dass dieses  Liad „I hab`die schönen Maderln net erfunden“ perfekt zur Person Andreas passt, sei es vom Text über die Geselligkeit, oder musikalisch, da es als Intro zu „mit Dir“ harmoniert.

Dieser Song stammt aus der Feder des Wiener Dichters und Kabarettisten Theo Prosel (der Großteil von uns wird wohl noch nie diesen Namen gehört haben, zumindest was unsere Leser aus Österreich betrifft). Wir haben ein wenig recherchiert und waren ein richtig überrascht, als wir zwischen Theo und Andreas auch Parallelen entdeckten, nämlich die Einstellung zur Politik.
In den schlimmsten Krisenjahren des 20. Jahrhunderts, scherte sich der Humorist  Prosel wenig über das politische Geschehen, sein Augenmerk und Anliegen galt sein Publikum zu unterhalten, ihnen Humor und Freude zu schenken.

theoproselsimplwirt_tmAm 1. August 1935 wurde Theo Prosel in seiner neuen Wahlheimat München Wirt in der Künstlerkneipe „Simplicissimus“ an der Münchner Türkenstraße, kurz „Simpl“ genannt.. Hier war er in seinem Element und konnte seiner Liebe zur Geselligkeit freien Lauf lassen.

Theo Prosel war Humanist aus Erziehung und aus Überzeugung. Er verabscheute das politische Kabarett, wie es manche recht bekannt gewordene Autoren und Künstler auch noch in der Nazizeit glaubten machen zu können. Sie büßten es fast alle. Doch Prosel hatte zur Politik überhaupt keine Beziehung. Er nahm seine Stoffe aus der Geschichte und aus den Sagen des klassischen Altertums, um menschliche Unvollkommenheiten und Schwächen vor Augen zu führen.

1938 entstand sein berühmtes Wienerlied „I hab‘ die schönen Maderln net erfunden“, zu dem Ludwig Schmidseder die Melodie schrieb.
Eine umfangreiche Biografie über Theo Prosel findet ihr auf der Seite: http://www.theo-prosel.de/

Der unvergessene deutsche Sänger Fritz Wunderlich mit „I hab`die schönen Maderln net erfunden“:

Kategorien: Hoamatgfühl | Schlagwörter: , , , , | 2 Kommentare

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